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Bei ADHS handelt es sich um eine neurobiologische Erkrankung, bei der es zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn kommt. Die Kernsymptome sind Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Oft zeigt sich ADHS bereits im Kindesalter. Dennoch ist ADHS keine „Kinderkrankheit“. Denn bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Erkrankung, die zu massiven sozialen Problemen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann, bis ins Erwachsenenalter bestehen − oder sie wird erst dann erkannt. Über die Frage, welche Therapieform am besten geeignet ist, um Betroffenen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen, herrscht großer Streit. Eine großangelegte Studie liefert jetzt wichtige Antworten.

ADHS-Studie zeigt: Medikamentöse Behandlung bei Erwachsenen kann bessere Erfolge erzielen als eine reine Psychotherapie

Die bisher weltweit größte Studie zum Thema wurde an sieben deutschen Universitätskliniken gleichzeitig durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – vollständig pharmaunabhängig − unterstützt. Das Forscherteam untersuchte bei über 419 erwachsenen ADHS-Patienten die Wirksamkeit einer speziellen Gruppenpsychotherapie, einer herkömmlichen fachärztlichen Betreuung und der medikamentösen Behandlung im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung). In der Studie wurde das ADHS-Arzneimittel Medikinet® adult mit dem Wirkstoff Methylphenidat verabreicht. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob eine zwölfmonatige spezifische Gruppenpsychotherapie bessere Ergebnisse erzielt, wenn zusätzlich eine medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat /Medikinet® adult erfolgt.

Dabei zeigte sich, dass der medikamentöse Behandlungsansatz erfolgreicher war als ein rein psychotherapeutischer. Den Ergebnissen zufolge kann eine herkömmliche fachärztliche Betreuung in Kombination mit der Einnahme von Methylphenidat einer Gruppentherapie überlegen sein. Nach Ansicht der Autoren sollte in weitere Studien geprüft werden, ob aufwändigere Einzeltherapien möglicherweise bessere Ergebnisse bringen könnten als Gruppentherapien. Die aktuellen Erkenntnisse legen jedenfalls nahe, dass mehr Betroffene als bisher gedacht von einer medikamentösen Therapie profitieren könnten.

Weiterführende Infos finden Sie hier: www.lifeline.de/themenspecials/adhs/

Quellen:
Philipsen Alexandra, et. al. Effects of Group Psychotherapy, Individual Counseling, Methylphenidate, and Placebo in the Treatment of Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2015 Dec 1;72(12):1199-210. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2015.2146.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26536057
http://archpsyc.jamanetwork.com/article.aspx?articleID=2467823