Kaugummikauen kann vor Mittelohrentzündungen schützen
Gelegentlich lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Dass Kaugummikauen Kindern nicht nur Spaß macht, sondern sie auch vor Mittelohrentzündungen schützen kann, hat jetzt eine Auswertung von aktuellen Studiendaten gezeigt. Mit Xylit, einem Zuckeraustauschstoff, der in vielen Kaugummis verwendet wird, lasse sich jede vierte Mittelohrentzündung vermeiden, so die Autoren.
Die akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Infektionen im Kindesalter. Sie äußert sich insbesondere durch Ohrenschmerzen und wird oftmals auch von Fieber begleitet. Eigentlich schlimm genug, doch gerade für Kleinkinder ist die erforderliche Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine zusätzliche Qual – umso besser, wenn es Strategien zur Vorbeugung gibt.
Xylit – nicht nur für die Zähne gut
Eine Schlüsselrolle bei der Entstehung vieler Mittelohrentzündungen spielt die Ausbreitung von Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum über die sogenannte Eustachi-Röhre in das Mittelohr. Hier scheint die Wirkung xylithaltiger Kaugummis anzusetzen. Xylit ist ein natürlicher Zuckeraustauschstoff, der in vielen Kaugummis eingesetzt wird. Große Bekanntheit hat diese Substanz wegen ihrer Anti-Karies-Wirkung erlangt: Zahlreiche Studien belegen, dass Xylit das Wachstum der Kariesbakterien in der Mundhöhle hemmt. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Substanz auch auf andere Bakterien im Mund-und Rachenraum wirkt. Tatsächlich konnte in Laborstudien nachgewiesen werden, dass Xylit die Anhaftung von Bakterien, die Mittelohrentzündungen auslösen können, an Zellen aus dem Nasen-Rachen-Raum reduziert.
Studien zeigen: Risiko für Mittelohrentzündung sinkt
Für die Datenauswertung wurden kontrollierte Studien herangezogen, die die Wirksamkeit von Xylit bei der Vorbeugung von akuten Mittelohrentzündungen überprüften. An den Untersuchungen nahmen gesunde Kinder unter zwölf Jahren teil, die Xylit über entsprechende Kaugummis, Lutschpastillen oder einen Sirup aufnahmen. In drei von vier Studien mit insgesamt über 1.800 finnischen Kindern wurde in der Xylit-Gruppe ein reduziertes Risiko für Mittelohrentzündungen festgestellt. Dabei war der Kaugummi den anderen beiden Darreichungsformen überlegen.
Fazit: Jede vierte Mittelohrentzündung könnte verhindert werden
Die Autoren schlussfolgerten aus diesen Ergebnissen, dass jede vierte Mittelohrentzündung durch xylithaltige Präparate verhindert werden könne. Eine tägliche Dosis von insgesamt rund 8,5 Gramm Xylit (z. B. enthalten in 5 x 2 Kaugummis) könne bei gesunden Kindern ohne bestehende Atemwegsinfekte einer Mittelohrentzündung vorbeugen. Kinder sollten dazu mehrmals täglich nach Haupt- und Zwischenmahlzeiten mindestens 5 Minuten lang xylithaltige Kaugummis kauen.
Über diese Nachricht dürften sich Kinder gleich zweimal freuen: Kaugummi kauen macht nicht nur Spaß, sondern scheint auch noch schützend gegen Karies und Mittelohrentzündungen zu wirken. Auch wenn diese Studie auf präventive Effekte hinweist, bleiben weitere Untersuchungen abzuwarten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher grundsätzlich auf ein starkes Immunsystem seines Kindes achten. Denn ist die Abwehr aktiv, haben Krankheitserreger grundsätzlich weniger Chancen. Bewährt haben sich eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen, ausreichend Bewegung an der frischen Luft oder auch die gezielte Immunstärkung zum Beispiel auf Basis von pflanzlichen Präparaten.
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Autor: Tatiana Schmid
Letzte Änderung am: 18.09.2012

