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Neben der medikamentösen Linderung der Symptome, die heute sowohl auf Basis chemisch-synthetischer als auch pflanzlicher Heuschnupfenmittel erfolgen kann, spielt das geschärfte Bewusstsein und die entsprechende Befolgung von einigen Alltagsregeln eine beinahe ebenso wichtige Rolle bei der Behandlung von Heuschnupfen.

Möglichst keine starke Anstrengung bei Wind und Wärme, Schlafen bei geschlossenem Fenster, gründliche Teppichreinigung – all das sind vergleichsweise kleine Einschränkungen mit großer Wirkung. Nicht zuletzt besteht die Möglichkeit, den Heuschnupfen an der Wurzel zu packen. Bei der sogenannten Hyposensibilisierung geht es nicht allein darum, die Symptome zu lindern, sondern die Ursache, also die Überempfindlichkeit des Immunsystems gegen die Pollen, zu regulieren. Ein langwieriger Prozess, der bis zu 5 Jahre in Anspruch nehmen kann.

Heuschnupfenmittel zur Linderung von Heuschnupfen Symptomen

Zu den wichtigsten Medikamenten, die zur Linderung von Symptomen bei Heuschnupfen eingesetzt werden, zählen Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren und pflanzliche sowie homöopathische Heuschnupfenmittel. Kortison wird in der Regel nur bei schweren Fällen eingesetzt.

Antihistaminika:
Antihistaminika sind bei Heuschnupfen eingesetzte Medikamente, die dazu dienen, die Wirkung des Histamins, das als hauptverantwortlich für die allergischen Symptome bei Heuschnupfen gilt, abzuschwächen bzw. ganz aufzuheben. Antihistaminika stehen zum Beispiel als Augentropfen, Nasensprays und auch Tabletten zur Verfügung. Sie besitzen meist eine gute Wirksamkeit in Bezug auf die Linderung der Heuschnupfensymptome, können aber mitunter Nebenwirkungen wie Müdigkeit mit sich bringen. Achten Sie daher auf die Packungsbeilage und unterlassen Sie bei entsprechendem Warnhinweis das Führen von Fahrzeugen nach der Anwendung von Antihistaminika.

Mastzellstabilisatoren:
Aus den Mastzellen werden bei Andocken der IgE-Antikörper Botenstoffe wie Histamin freigesetzt, die dann eine allergische Reaktion auslösen. Diese Freisetzung von Histamin und auch anderen Botenstoffen wird durch sogenannte Mastzellstabilisatoren unterbunden. Mastzellstabilisatoren gibt es heute zum Beispiel als Kapseln, zum Inhalieren oder als Nasenspray. Damit Mastzellstabilisatoren ausreichend wirken können, ist es notwendig, diese bereits etwa 14 Tage vor Beginn der Pollensaison anzuwenden.

Pflanzliche Heuschnupfenmittel:
Auch pflanzliche Heuschnupfenmittel, die sich durch eine gute Verträglichkeit auszeichnen, stehen heute freiverkäuflich in der Apotheke zur Verfügung und können als Alternative oder auch ergänzend zu chemisch-synthetischen Präparaten genutzt werden.

Allergenkarenz: So gehen Sie den Pollen aus dem Weg

Neben der Anwendung geeigneter Heuschnupfenmittel ist die Allergenkarenz, also die Vermeidung des Kontakts mit den Pollen bei der Behandlung von Heuschnupfen oberstes Gebot. Hier helfen einige grundlegenden Maßnahmen, wie beispielsweise die Planung der Urlaubsreise in der Pollenflugzeit, zu einem pollenarmen Urlaubsziel wie dem Hochgebirge oder das Meer. Auch alltägliche Tipps wie das Haarewaschen am Abend, das Wäschetrocknen im Innenbereich oder auch die gründliche Hygiene von Teppichböden können hilfreich sein, um die Pollen aus dem direkten Umfeld zu verbannen.

Hier finden Sie praktische Tipps für Pollenallergiker auf einen Blick.

Grundsätzlich gilt: Beobachten Sie den Pollenflug der Pollen, auf die Sie allergisch reagieren, ganz genau, um dann zu wissen, wann Sie diese Regeln besonders beachten sollten. Hier hilft die aktuelle, regionale Pollenflugvorhersage, die sie heute auch bequem als App auf dem Handy immer griffbereit haben können.

Die Hyposensibilisierung als Möglichkeit der ursächlichen Behandlung

Die Hyposensibilisierung ist eine Art "Allergie-Impfung", bei der nicht die Linderung der Symptome von Heuschnupfen, sondern die Beseitigung der Ursache des Heuschnupfens, also die Überreaktion des Immunsystems, das Ziel ist. Am Ende soll so Beschwerdefreiheit bzw. eine Verringerung der Beschwerden erreicht werden.

Im Rahmen dieser Hyposensibilisierung wird dem Allergiker das Allergen in langsam steigenden Dosierungen verabreicht, so dass sich das Immunsystem nach und nach an den vermeintlichen Feind gewöhnen kann. Und das dauert seine Zeit. Etwa 3 -5 Jahre sind für die Zeit der Hyposensibilisierung zu rechnen, in der etwa ein- bis zweimal wöchentlich die Verabreichung des Allergens (in der Regel mittels einer Spritzeninjektion, mitunter aber auch in Tablettenform bei Gräserpollen) erfolgt. Die höchste Erfolgsquote (ca. 80 Prozent) bringt dabei die subkutane Hyposensibilisierung mit sich, also die Form, bei der das Allergen mit einer Spritze injiziert wird. Kinder zeigen eine noch höhere Ansprechrate auf die subkutane Hyposensibilisierung – allerdings sind Spritzen alle 14 Tage gerade bei Kindern nicht beliebt. Bei jedem Allergenkontakt ist zudem grundsätzlich mit einer allergischen Reaktion zu rechnen.

Hintergrund: Warum eine Allergiebehandlung so wichtig ist

Wer unter einer Pollenallergie leidet, für den zählt vor allem eines: die Beschwerden so schnell wie möglich loszuwerden, um wieder möglichst unbeschwert am ganz normalen Alltag teilhaben zu können. Insofern ist es meist auch der Wunsch des Erhalts der Lebensqualität, der eine aktive Behandlung der Heuschnupfen-Symptome für die Betroffenen so wichtig macht.

Doch es geht nicht nur um das individuelle Wohlbefinden und die Bekämpfung der Symptome an sich. Eine Behandlung von Heuschnupfen ist auch deshalb so wichtig, weil so dem sogenannten Etagenwechsel, also dem Übergreifen auf die tieferliegenden Atemwege und damit der Entstehung von allergischem Asthma auf diese Weise entgegengewirkt werden kann.

Allergisches Asthma als häufige Folge von nicht behandeltem Heuschnupfen

In Deutschland leiden etwa 7 Millionen Menschen unter Asthma. Typische Anzeichen für Asthma sind anfallsartig auftretende Atemnot, Husten und Brustenge, die von einer Entzündung der Bronchien bzw. reversiblen, also vorübergehend auftretenden, Verengung der Atemwege herrühren. Man unterscheidet dabei zwei Hauptformen: Nicht-allergisches Asthma, das häufig als Folge einer Virusinfektion von Lungen und Bronchien auftritt und das allergische Asthma, das auf dem Boden einer Allergie wie zum Beispiel Heuschnupfen entsteht.

Tatsächlich entwickeln viele Pollenallergiker bei nicht ausreichender Behandlung der Allergie ein allergisches Asthma, häufig bereits im Kindesalter. Ein erstes Alarmzeichen: Zu den typischen Heuschnupfen Symptomen wie den tränenden Augen und den Niesattacken kommt plötzlich Husten dazu, sobald man mit dem Allerge in Kontakt gekommen ist.

Beim allergischen Asthma ist es eben genau dieser direkte Kontakt mit dem Allergen, der den Asthmaanfall mit Kurzatmigkeit, Atemnot, Brustenge und Husten auslösen kann. Die Allergene können Pollen sein, wenn es sich vorab um Heuschnupfen gehandelt hatte. Es gibt aber auch andere Auslöser von allergischem Asthma wie zum Beispiel Tierhaare, Hausstaub oder bestimmte Lebensmittel – je nachdem, unter welcher Allergie man vorab gelitten hat.

Das Leben mit allergischem Asthma erfordert meist eine Dauermedikation mit kortisonhaltigen und bronchienerweiternden Inhalations-Sprays sowie der unterstützenden Gabe von schleimlösenden Wirkstoffen. Ein Asthmatiker sollte Notfallmedikamente für den Fall der Fälle immer griffbereit haben und sich mittels Schulungen z.B. zum Umgang mit den Medikamenten im Notfall, zur richtigen Atmung und Entspannungstechniken möglichst aktiv mit seiner Erkrankung auseinandersetzen.

Wer hier vorbeugen möchte, der sollte die allergische Reaktion bei Heuschnupfen nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern frühzeitig und gezielt den Heuschnupfen behandeln. Sie möchten mehr über die Behandlungsmöglichkeiten bei Heuschnupfen erfahren und haben eine ganz individuelle Frage zum Thema Heuschnupfen und Asthma? Nutzen Sie die kostenlose Expertenberatung.

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Quellen: 

  • Prof. Dr. med. Degitz, K./ Dr. med. Dietlinde Burkhardt: Allergien. Alles was man wissen muss. Südwest Verlag, München 2006
  • Dr. Glück, W.: Allergien heilen mit Homöopathie.  Kneipp Verlag, Wien 2010
  • Dr. med. Flade, S.: Allergien natürlich behandeln. Gräfe und Unzer, München 2001
  • Landschek, I.: Allergien im Griff. Stiftung Warentest, Berlin 2010
  • Füller, I.: Allergien. Diagnose, Vorbeugung, Behandlung. Berlin 2007