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Bei Typ-2-Diabetes hingegen spielt vor allem die nachlassende Wirkung von vorhandenem Insulin in den Körperzellen (Insulinresistenz der Zellen) eine entscheidende Rolle. Typ-2-Diabetes, der heute vor allem als Folge von Übergewicht und mangelnder Bewegung eingestuft wird, ist die weitaus häufigere Form von Diabetes. Rund 96 Prozent der Diabetiker sind von Typ-2-Diabetes betroffen.

Typ-1-Diabetes: Eine Autoimmunerkrankung

Die vergleichsweise seltene Form von Diabetes – etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung sind betroffen -ist der sogenannte Typ-1-Diabetes, der insbesondere bei Kindern und Jugendlichen auftritt – daher auch die Bezeichnung als „juveniler Diabetes“ - Jugenddiabetes. Ein Auftreten dieser Form von Diabetes bei älteren Personen ist allerdings nicht ausgeschlossen. 

Es handelt sich bei  Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Produktion von Insulin aufgrund einer Fehlsteuerung des Immunsystems fast vollständig versiegt. Von unserem Körper gebildete Antikörper greifen dabei die insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse an. Die Folge ist ein buchstäblicher Zusammenbruch der Insulinproduktion. Die Ursachen für diese Autoimmunreaktion sind noch nicht abschließend geklärt. Allerdings scheinen vor allem genetische Faktoren und ggf. zusätzliche Auslöser wie beispielsweise eine Infektion mit bestimmten Viren eine Rolle zu spielen.

Typ-2-Diabetes: Häufige Folge von Übergewicht und Bewegungsmangel

Bei Typ-2-Diabetes sprach man früher von „Altersdiabetes“, eben weil diese Diabetes-Form bei den meisten Menschen im höheren Alter auftrat. Heute ist diese Bezeichnung eher irreführend. Denn als Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes gelten Übergewicht und Bewegungsmangel. Unsere moderne, häufig ungesunde, Lebensweise ebnet also dieser Form des Diabetes geradezu den Weg und so zählen auch Kinder und Jugendliche zum Patientenkreis der Typ-2-Diabetiker. Playstation, Hamburger, Pommes & Co. fordern ihren Tribut. Insgesamt gehen Experten davon aus, dass rund sechs bis acht Prozent der Bevölkerung unter Typ-2-Diabetes leiden.

Der entscheidende Unterschied zu Typ-1-Diabetes: Zunächst ist bei dieser Form des Diabetes noch ausreichend Insulin vorhanden. Das Problem ist allerdings, dass die Körperzellen nicht richtig auf Insulin reagieren, sie sind gegenüber Insulin sozusagen unempfindlich („Insulinresistenz“) und die im Blut enthaltene Glukose wird nicht mehr richtig verarbeitet. Insulin kann hier also seine Aufgabe als „Türöffner“ für die Glukose nicht mehr ausreichend erfüllen, der Blutzucker verbleibt im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt entsprechend an. Dies hat weitere Folgen: Der Körper schüttet zunächst noch mehr Insulin aus, um dem gestiegenen Blutzuckerspiegel entgegen zu steuern. Eine Art verzweifelter Rettungsversuch des Körpers, der letzten Endes in einen Teufelskreis mündet. Denn  durch diese Mehr-Produktion an Insulin nimmt die Zahl der Insulinrezeptoren an den Zellen weiter ab, die Zellen werden noch unempfindlicher gegen Insulin, ein relativer Insulinmangel entsteht, der Körper steuert weiter mit einer erhöhten Insulinproduktion entgegen. Bei Typ-2-Diabetes arbeitet die Bauchspeicheldrüse also zunächst im Akkord, um genügend Insulin bereit zu stellen. Dadurch werden die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse enormer Belastung ausgesetzt, was schließlich dazu führen kann, dass sie irgendwann erschöpfen und der Körper gar kein Insulin mehr herstellen kann.

Wie bei Diabetes Typ 1 spielt auch beim Typ -2-Diabetes die erbliche Veranlagung eine gewisse Rolle. So ist die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes Typ-2 zu erkranken um bis zu 50% erhöht, wenn ein Elternteil an diesem Diabetes leidet. Vor allem aber sind es Übergewicht, Bewegungsmangel und auch erhöhte Blutfettwerte, die die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen. Dadurch wird auch die zentrale Rolle, die Gewichtsreduktion, Bewegung und ausgewogene Ernährung bei der Diabetesbehandlung spielen, verständlich.

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Hintergrundinformationen Diabetes
Diabetes

Diabetes mellitus – eine Volkskrankheit. In Deutschland sind rund 6 Millionen Menschen von dieser chronischen Stoffwechselstörung ("Zuckerkrankheit") betroffen. Als Hauptrisikofaktoren für den weitaus häufigeren Typ-2-Diabetes gelten Übergewicht und Bewegungsmangel, während der Typ-1-Diabetes meist erblich bedingt ist.

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Quellen:

  • Andreae, Susanne / Berg, Melanie (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag.
  • Bopp, Annette (2007): Diabetes. Früh erkennen. Richtig behandeln. Besser leben. Stiftung Warentest.
  • Fritzsche, Doris (2008): Diabetes. Der Ernährungs-Kompass. GU Kompass. GU.
  • Grönemeyer, Prof. Dr. Dietrich (2008): Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit. Rowohlt.
  • Riedl, Dr. Matthias (2006): 300 Fragen zum Diabetes. Der große GU Kompass. GU.
  • Rubin, Alan L. (2006): Diabetes für Dummies. Besser mit Diabetes leben lernen. Wiley-VCH.
  • Schwörer, Dr. Claudia-Viktoria / Frank, Dr. Matthias (2005): Diabetes. Neustart in ein gesundes Leben.GU Ratgeber Gesundheit. GU.