ZUR ÜBERSICHT
Kapitel

Es gibt viele Möglichkeiten, sich "schrittweise" mehr zu bewegen! Darüber hinaus spielt regelmäßiger Sport bei Diabetes eine Rolle. Experten empfehlen etwa 30-60 Minuten Sport an etwa 3-4- Tagen pro Woche. Egal ob Jazz Dance, Tennis oder Nordic Walking. Wichtig ist vor allem eines: Der Spaß an der Sache – denn so bleiben Sie dabei.

Allerdings: Wie bei so vielen Dingen im Leben mit Diabetes gibt es auch beim Thema Sport einiges, was Sie beachten sollten, um Risiken wie Stoffwechselentgleisungen, Unterzuckerung bzw. Ketoazidose vorzubeugen. Mit der entsprechenden Information und Vorbereitung (insbesondere Blutzuckermessung, Insulinanpassung und zusätzliche Kohlenhydrate spielen eine zentrale Rolle) kann Sport für Diabetiker aber zum einfach umsetzbaren und lieb gewonnenen Hobby werden.

Gut zu wissen

Sportgruppen für Diabetiker

Der Austausch mit anderen Betroffenen – in der Regel unter Anwesenheit eines Arztes – steht bei Diabetiker-Sportgruppen im Vordergrund. Zudem: Das Messen von Blutzucker, Puls und Blutdruck fällt gemeinsam einfach leichter.

Die Kosten werden häufig von der Krankenkasse übernommen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder auch beim Deutschen Diabetikerbund.

 

Bewegung & Sport bei Diabetes: Was man grundsätzlich wissen muss

  • Bewegung senkt den Blutzuckerspiegel, denn bei Aktivität verbrauchen Muskeln vermehrt Traubenzucker. Insofern ist die Zufuhr von zusätzlichen Kohlenhydraten vor und auch nach dem Sport (Nachbrenneffekt!) wichtig, um eine Unterzuckerung zu vermeiden
  • Bewegung steigert die Insulinempfindlichkeit der Zellen und der Insulinbedarf des Körpers reduziert sich. Entsprechend wichtig ist es für insulinpflichtige Diabetiker bei körperlicher Aktivität, eine entsprechende Insulinanpassung vorzunehmen.
  • Blutzuckermessungen sollten in der Regel vor, während und nach der körperlichen Aktivität vorgenommen werden, um mit Insulin bzw. Kohlenhydraten entsprechend rechtzeitig auf die jeweiligen Blutzuckerwerte reagieren zu können.
  • Die Insulinwirkung kann durch unterschiedliche Faktoren wie Art, Dauer und Intensität des Trainings beeinflusst werden. Dasselbe gilt für die Tageszeit, zu der trainiert wird.
  • Untrainierte Menschen haben ein höheres Risiko für eine Unterzuckerung beim Sport.

 

Gut zu wissen: Auch beim Geschlechtsverkehr kann es aufgrund der körperlichen Aktivität zur Unterzuckerung kommen. Zusätzliche Kohlenhydrate vor und nach dem Sex, Blutzuckerkontrollen sowie eine angepasste Insulindosis sind also auch hier von Bedeutung! Sprechen Sie darüber mit Ihrem Diabetologen.

Bevor es losgeht: Die richtige Vorbereitung für Sport mit Diabetes

Bevor Sie in Sachen Sport mit Diabetes so richtig durchstarten, gilt es einige Vorbereitungen zu treffen.

Allgemeine Vorbereitungsmaßnahmen bei Sport mit Diabetes:

  • Gesundheitscheck beim Arzt als Basis zur Klärung folgender Fragen: Welche Aktivitäten sind in welcher Intensität für mich geeignet? Wie muss die Insulingabe angepasst werden? Welche Blutzuckerselbstkontrollen werden empfohlen? Insbesondere, wenn bereits Folgeerkrankungen bestehen, muss der Arzt bzgl. der geeigneten Aktivität konsultiert werden.
  • Information des Sportpartners bzw. Trainers über den Diabetes inkl. Hinweise, was im Notfall z.B. bei einer Unterzuckerung zu tun ist – ein offener Umgang mit dem Thema ist wichtig!

 

Unmittelbar vor Trainingsbeginn:

  • Flüssigen Traubenzucker und Diabetesutensilien einstecken (Jackentasche bzw. Sporttasche – im Schwimmbad möglichst am Beckenrand deponieren) sowie Müsliriegel, Obst oder Saft, die ggf. in der Pause benötigt werden.
  • Flüssigkeit aufnehmen - ideal ist ein zuckerhaltiges Getränk.
  • Eine Kleinigkeit essen, um den Kohlehydratspeicher aufzufüllen (z.B. Birne, Apfel oder Müsli) – als Regel gilt: 1 BE pro 30 Minuten
  • Vor dem Sport Blutzucker messen (beachten Sie die unten aufgeführten, besonderen Hinweise für Typ-1-Diabetiker)

 

Wichtig für Typ-1-Diabetiker: Ketoazidose vermeiden!

Das Risiko für eine Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes durch gebildete Ketonkörper bei Insulinmangel - Lebensgefahr!) ist bei Diabetes 1 erhöht. Sollten die Blutzuckerwerte vor dem Sport über 240mg/dl liegen, ist es wichtig, zusätzlich die Ketonkörper im Urin zu messen. Sollten die Ketone 2-oder3-fach positiv sein, gilt es Insulin zu spritzen – und KEINEN Sport zu treiben.

Insulinanpassung beim Sport bei insulinpflichtigem Diabetes

Auch wenn Sport den Blutzucker senkt – setzen Sie Ihr Insulin nicht ab! Vielmehr geht es jetzt um die richtige Anpassung der Insulindosis. Wie diese Anpassung im Detail aussieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen beispielsweise Ihr Trainingszustand, Intensität und Dauer der Bewegung sowie die Tageszeit, zu der trainiert wird, eine Rolle.

Allerdings gibt es Unterschiede hinsichtlich geplanten und ungeplanten Aktivitäten. Ist also ganz spontan Körpereinsatz gefragt – zum Beispiel wenn es darum geht, dem Nachbarn beim Tragen der Getränkekisten zu helfen – dann ist die Anpassung von Insulin schlichtweg nicht mehr rechtzeitig möglich. Hier sind die richtigen Kohlenhydrate und eine entsprechende Blutzuckerkontrolle gefragt.

Anders sieht es bei geplanten Aktivitäten wie einer ganztägigen Fahrradtour aus. Hier kann man mit einer Insulinanpassung gut vorsorgen. Grundsätzlich gilt: Je intensiver und je länger die geplante Bewegung ist, desto stärker ist die Insulinmenge zu reduzieren. Das gilt übrigens ggf. auch für die nächste Injektion von Insulin nach dem Sport, denn der Blutzuckerspiegel kann aufgrund des Nachbrenneffekts auch danach weiter sinken.

Es bleibt festzuhalten, dass das Thema Insulinanpassung bzw. Kohlenhydratversorgung in Zusammenhang mit Sport bei Diabetes äußerst individuell ist – das eingehende Gespräch mit dem Arzt ist daher für jeden Patienten unverzichtbar.

Informieren Sie sich auch über Diabetes & Reisen.

Ungetrübter Genuss

Das Leben mit Diabetes ist nicht immer ganz einfach. Schließlich ist der Diabetes ein ständiger Begleiter. Was darf ich essen, was nicht? Die besten Ernährungstipps in der Galerie

••• mehr

Quellen:

  • Andreae, Susanne / Berg, Melanie (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag.
  • Bopp, Annette (2007): Diabetes. Früh erkennen. Richtig behandeln. Besser leben. Stiftung Warentest.
  • Fritzsche, Doris (2008): Diabetes. Der Ernährungs-Kompass. GU Kompass. GU.
  • Grönemeyer, Prof. Dr. Dietrich (2008): Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit. Rowohlt.
  • Riedl, Dr. Matthias (2006): 300 Fragen zum Diabetes. Der große GU Kompass. GU.
  • Rubin, Alan L. (2006): Diabetes für Dummies. Besser mit Diabetes leben lernen. Wiley-VCH.
  • Schwörer, Dr. Claudia-Viktoria / Frank, Dr. Matthias (2005): Diabetes. Neustart in ein gesundes Leben.GU Ratgeber Gesundheit. GU.