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Wichtig zu wissen: Frauen, bei denen Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, haben ein um etwa 50 Prozent erhöhtes Risiko, innerhalb der folgenden acht bis zehn Jahre an Diabetes zu erkranken. Umso wichtiger ist es daher, auch nach der Geburt auf gesunde Ernährung, Bewegung und Normalgewicht zu achten und damit die Chance zur Vermeidung der chronischen Krankheit Diabetes zu nutzen.

Wie Hormone in der Schwangerschaft den Zucker-Stoffwechsel beeinflussen können

Die Ursache eines Schwangerschaftsdiabetes liegt in den verschiedenen Hormonen, die insbesondere in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft produziert werden. Diese Hormone beeinflussen die Glukoseproduktion, denn in der Schwangerschaft muss vermehrt Glukose freigesetzt werden, um das Plus an Energie, das Mutter und Kind brauchen, sicher zu stellen. Um die nun gesteigerte Menge an Glukose auch wirklich in die Körperzellen zu schleusen, wird jetzt auch mehr des Hormons Insulin benötigt. Die Bauchspeicheldrüse, in der das Insulin produziert wird, ist dadurch stärker belastet als normalerweise.

Nun ist es bei einigen schwangeren Frauen der Fall, dass die Bauchspeicheldrüse diese ungewohnte Mehrarbeit nicht leisten kann und es kommt zu einem echten Mangel an Insulin – und somit zu einem Schwangerschaftsdiabetes mit erhöhtem Blutzuckerspiegel.

Bei anderen Frauen wird zwar die Insulinherstellung hochgefahren, die Körperzellen reagieren aber – so wie bei dem Diabetes des Typ-II- unempfindlich auf das Hormon und die Glukose verbleibt im Blut. Man spricht hier von einem relativen Insulinmangel, der durch eine Insulinresistenz ausgelöst wird. Denn das Insulin ist zwar vorhanden, die Zellen reagieren aber nicht richtig auf das Hormon. Auch hier ist die Folge ein Schwangerschaftsdiabetes mit erhöhtem Blutzuckerspiegel.

Risikofaktoren, die Schwangerschaftsdiabetes begünstigen

Warum es bei einigen Frauen zur Ausbildung des Schwangerschaftsdiabetes kommt und andere Frauen den Einfluss der Hormone auf den Zuckerstoffwechsel in der Schwangerschaft problemlos wegstecken, ist noch nicht abschließend geklärt. Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die Schwangerschaftsdiabetes begünstigen können. Dazu zählen mitunter:

  • Übergewicht
  • Ungesunde Ernährung
  • Das Geburtsgewicht der Schwangeren lag bei mehr als 4000 Gramm
  • Die werdende Mutter ist älter als 30 Jahres
  • Diabetes mellitus Erkrankungen in der Familie
  • Frühere Fehlgeburten

Schwangerschaftsdiabetes möglichst früh erkennen: Suchtest in der 24.bis 28.Woche

In vielen Fällen bleibt Schwangerschaftsdiabetes unerkannt, denn er verursacht meist keine eindeutigen Symptome wie Durst oder vermehrten Harndrang. Hier heißt es aktiv werden! Experten empfehlen einen speziellen Suchtest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche, um den Diabetes frühzeitig zu erkennen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem behandelnden Frauenarzt.

In der Regel wird der sogenannte orale Glukose-Toleranz- Test durchgeführt, da bei einer alleinigen Untersuchung des Urins die Fehlerrate relativ hoch ist.

Die werdende Mutter trinkt– unabhängig von der zuletzt eingenommen Mahlzeit - eine Testlösung aus 50g Glukose in 200ml Wasser. Nach etwa einer Stunde bestimmt dann der Arzt den Blutzuckerspiegel. Werte von unter 140 mg /dl gelten als normal. Übersteigt der Wert diese Grenze, empfiehlt es sich den Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes mit dem sogenannten 75-g-oralen-Glukose-Test abzusichern.

Sprechen die Messwerte auch hier eine klare Sprache, gilt die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes als gesichert. Nun ist die richtige Stoffwechseleinstellung mittels einer angepassten Ernährung, der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle und gegebenenfalls Insulin unerlässlich.

Warum die Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes so wichtig ist

Eine unmittelbare Behandlung mit Flüssigkeit und Insulin ist im Sonderfall des diabetischen Komas (bei Typ-1-Diabetes) notwendig: Hier kommt es zu einer regelrechten Überflutung des Körpers mit sogenannten Ketonkörpern, die beim durch Insulinmangel begünstigten Fettabbau entstehen.

Eine gezielte Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes ist essentiell, um mögliche Folgen für Mutter und Kind zu vermeiden. So führen die erhöhten Blutzuckerwerte häufig zu einem übermäßigen Wachstum des Kindes. Dadurch kann es leicht zu einer Frühgeburt oder auch zu Komplikationen während der Geburt (ggf. notwendiger Kaiserschnitt) kommen. Zudem besteht für das Kind das Risiko für folgende Komplikationen:

  • Organreifestörungen
  • Kardiomyopathie ( ein großes, aber wenig leistungsstarkes Herz)
  • Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen
  • Zu niedrige Blutzuckerwerte

 

Auch bei der Mutter kann Schwangerschaftsdiabetes Schäden verursachen. Hier besteht besonders die Gefahr von Nieren- und Harnwegsinfektionen und von hohem Bluthochdruck.

Die Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes:

Ernährung, Blutzuckermessung und  Insulintherapie

Wichtigstes Ziel der Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes ist es, die Blutzuckerwerte in einem definierten, optimalen Bereich zu halten.

Für diesen Zweck ist bei einem Großteil der Schwangeren bereits die Umstellung der Ernährung in Kombination mit einer regelmäßigen Blutzuckerselbstkontrolle ausreichend. Nur bei rund 15 Prozent der Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes ist die zusätzliche Gabe von Insulin nötig – auch bei dieser Form der medikamentösen Therapie ist die eigenverantwortliche Blutzuckermessung unverzichtbar.

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes & Blutzuckerselbstkontrolle

Die Umstellung bzw. Anpassung der Ernährung ist bei Schwangerschaftsdiabetes unverzichtbar.
Grundsätzlich sollte man auf eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse sowie einer ausreichend hohen Menge an Kohlenhydraten (Reis, Kartoffeln, Nudeln) achten. Statt drei großen Mahlzeiten sollten mehrere kleine Mahlzeiten über den ganzen Tag verteilt eingenommen werden. Bei Zucker ist im Allgemeinen Vorsicht geboten: Egal ob Kuchen, Schokolade oder Limonade.

Lassen Sie sich hier ausführlich von einem Diabetologen oder auch einem Diätassistenten beraten, wie Sie im Detail bei Schwangerschaftsdiabetes mit bestimmten Lebensmitteln umgehen sollen.

Parallel zur Ernährungsumstellung ist es für Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes unverzichtbar, die Blutzuckermessung mit modernen Blutzuckermessgeräten zu erlernen. Das ist heute aufgrund der gestiegenen Bedienerfreundlichkeit ausgewählter Geräte sehr viel einfacher geworden. Das Blutzuckermanagement wird bei innovativen Geräten beispielsweise durch eine Vielzahl an nützlichen Funktionen und Eigenschaften erleichtert. Eine wichtige Voraussetzung, um eine möglichst lückenlose Dokumentation und Auswertung der Blutzuckerwerte zu erhalten, die bei jedem Arztbesuch als Basis vorgezeigt werden sollte. Denn nur auf diese Weise können mögliche Blutzuckerschwankungen frühzeitig erkannt und ggf. mittels Anpassung der Therapie ausgeglichen werden. Zudem: Die regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte sorgt für ein Gefühl der Sicherheit und ermöglicht ein großes Maß an Eigenverantwortung.

Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt und lassen Sie sich genau erklären, worauf es bei der Blutzuckermessung bei Schwangerschaftsdiabetes konkret ankommt.

Insulin bei Schwangerschaftsdiabetes: Manchmal geht es nicht anders

Zeigt sich mittels der engmaschig durchgeführten Blutzuckerkontrolle während der Ernährungsumstellung, dass die vereinbarten Zielwerte auch weiterhin überschritten werden, der Blutzuckerspiegel also noch nicht in den Griff bekommen wurde, ist in manchen Fällen (bei ca. 15 Prozent der Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes) eine Insulintherapie notwendig. Dem Kind schadet Insulin nicht! Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Ihre individuelle Insulintherapie aussieht, welche Art des Insulins für Sie in Frage kommt und wann bzw. wie Sie eine Injektion am besten durchführen.

Wichtig: Auch während der Insulinbehandlung ist die Kontrolle der Blutzuckerwerte essentiell. Tragen Sie die Werte in Ihr Blutzuckertagebuch ein und bringen Sie dieses als Gesprächsgrundlage für den in kurzen Abständen erfolgenden Besuch beim Arzt mit.

Nach der Geburt kann die Insulintherapie in der Regel wieder beendet werden.

Hintergrundinformationen Diabetes
Diabetes

Diabetes mellitus – eine Volkskrankheit. In Deutschland sind rund 6 Millionen Menschen von dieser chronischen Stoffwechselstörung ("Zuckerkrankheit") betroffen. Als Hauptrisikofaktoren für den weitaus häufigeren Typ-2-Diabetes gelten Übergewicht und Bewegungsmangel, während der Typ-1-Diabetes meist erblich bedingt ist.

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Quellen:

  • Andreae, Susanne / Berg, Melanie (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag.
  • Bopp, Annette (2007): Diabetes. Früh erkennen. Richtig behandeln. Besser leben. Stiftung Warentest.
  • Fritzsche, Doris (2008): Diabetes. Der Ernährungs-Kompass. GU Kompass. GU.
  • Grönemeyer, Prof. Dr. Dietrich (2008): Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit. Rowohlt.
  • Riedl, Dr. Matthias (2006): 300 Fragen zum Diabetes. Der große GU Kompass. GU.
  • Rubin, Alan L. (2006): Diabetes für Dummies. Besser mit Diabetes leben lernen. Wiley-VCH.
  • Schwörer, Dr. Claudia-Viktoria / Frank, Dr. Matthias (2005): Diabetes. Neustart in ein gesundes Leben.GU Ratgeber Gesundheit. GU.