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Hier erleichtern besonders moderne und bedienerfreundliche Blutzuckermessgeräte, die nicht größer sind als ein Ipod, den Kids den Alltag mit Diabetes. Auf der anderen Seite können auch die Eltern viel dazu beitragen,  das Kind in seinem Leben mit Diabetes aktiv zu unterstützten. Auch hinsichtlich der Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken bei Diabetes z.B. in Zusammenhang mit Alkoholkonsum, sind oft die Eltern gefragt.  Zusätzlich zur Unterstützung durch die Eltern sind heute auch spezielle Diabetes-Schulungen oder Diabetes-Camps für Jugendliche eine wertvolle Hilfe für den Umgang mit Diabetes. Grundsätzlich gilt: Sprechen Sie mit dem behandelnden Kinderarzt/ Diabetologen ausführlich über die Möglichkeiten, die Sie und Ihr Kind haben.

Hier einige beispielhaft aufgeführte Tipps für Eltern von zuckerkranken Kindern vorab:

Information von Schule bzw. Kindergarten

Grundsätzlich sollten Eltern Erzieher (Typ-1-Diabetes kann bereits im Kindergarten auftreten) und Lehrer über die Diabetes-Erkrankung Ihres Kindes informieren. Am besten, Sie nehmen einige Broschüren oder Fachliteratur zum Thema Diabetes bei Kindern gleich mit – eventuell möchte einer der zuständigen Betreuer mehr über Diabetes wissen? Sie können auch einen Termin zwischen den Lehrern bzw. Erziehern und Ihrem Diabetes-Berater organisieren, so dass alle Kontaktpersonen über die Erkrankung möglichst gut Bescheid wissen. Auch eine Demonstration, wie das Blutzuckermessen mit einem Blutzuckermessgerät abläuft und bei welchem Wert der Verzehr bestimmter Lebensmittel sinnvoll ist und beispielsweise auch im Unterricht erlaubt sein sollte, erleichtert Lehrern und Erziehern den Umgang mit den kleinen Patienten. Ggf. kann der Besuch einer Pflegekraft hilfreich sein. Stellen Sie Lehrern und Erziehern auch eine BE-Tabelle zur Verfügung.

Hinterlassen Sie bei der Leitung des Kindergartens bzw. der Schule auch  Ihre Telefonnummer bzw. die Telefonnummer des behandelnden Arztes.

Die Sache mit dem Spritzen

Die Insulintherapie ist für Kinder mit Typ-1-Diabetes unerlässlich – schließlich versagt hier die körpereigene Insulinproduktion. Und ohne Insulin geht es nunmal nicht. Und da kein Kind, v.a. wenn es noch im Kindergartenalter ist, Spritzen gerne mag, ist hier Fingerspitzengefühl gefragt. Trösten Sie ihr Kind, aber machen Sie aus dem Spritzen an sich auch keine zu große Sache. Die Injektion sollte wenn möglich eher beiläufig ablaufen. Gegebenenfalls kann auch eine Insulinpumpe für Ihr Kind das Richtige sein – diese muss nur alle drei Tage gewechselt werden. Lassen Sie sich von Ihrem Diabetologen beraten.

Blutzuckermessen – heute ein Kinderspiel!

Die regelmäßige Blutzuckerkontrolle ist insbesondere bei insulinpflichtigem Diabetes (wie es bei Typ-1-Diabetes der Fall ist) unverzichtbar. Die exakte Dokumentation der Werte in einem Blutzuckertagebuch sowie Notizen zum Beispiel zur eingenommen Kohlenhydrat-Menge oder Krankheitsgefühl dürfen hier als Basis für den nächsten Arztbesuch Ihres Kindes nicht fehlen. Schließlich können nur auf diese Weise mögliche Schwankungen rechtzeitig erkannt und ggf. mittels einer Anpassung der Therapie ausgeglichen werden.

Moderne Blutzuckermessgeräte mit integrierter Software und ohne Codierung erleichtern das Blutzuckermessen heute erheblich und machen das Selbstmanagement bei Diabetes wortwörtlich zum Kinderspiel. Nichtsdestotrotz muss jedes Kind mit Diabetes lernen, warum Blutzuckermessen so wichtig ist, wo die häufigsten Fehlerquellen beim Blutzuckermessen liegen und welche Tipps beim Blutzuckermessen helfen können.

Mit Spaß gesunde Ernährung entdecken

Übergewicht gilt als Hauptrisikofaktor für Typ-2-Diabetes, der immer öfter auch bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird. Die (ggf. notwendige) Gewichtsreduktion und eine ausgewogene Ernährung bilden damit einen der Grundpfeiler einer erfolgreichen Diabetes-Behandlung. Das ist gerade für Kinder und Jugendliche nicht immer ganz einfach. Überall locken sie, die süßen und fettreichen Verführungen. Pommes hier, eine Cola dort und vielleicht noch ein paar Gummibärchen? Wer kann da schon widerstehen? Hier ist die Vorbild-Funktion der Eltern gefragt. Vermitteln Sie Ihrem Kind, wie gut gesunde Ernährung schmecken kann. Wie wäre es zum Beispiel mit einem frisch zubereiteten Vollkornbrot in der Pause, das mit buntem und knackigem Gemüse belegt ist? Das macht schon allein optisch mehr her als der zuckerhaltige Müsliriegel! Vermeiden Sie zuhause auch Tiefkühlprodukte und Fertigkost. Frisch auf den Tisch: Diese Devise gilt ganz besonders hinsichtlich der Ernährung bei Diabetes. Und wer weiß – vielleicht hat Ihr Sprössling ja auch selbst Lust, den Kochlöffel zu schwingen. Für viele Kids ist es das Größte, der Mama als Nachwuchs-Koch zu assistieren.

Mehr rund um das Thema Diabetes und Ernährung lesen Sie hier.

Auf gehts, Action!

Kleine Bewegungsmuffel sollten bei der Diagnose Diabetes in die Gänge kommen. Insbesondere bei Typ-2-Diabetes spielt Bewegung eine essentielle Rolle, wenn man an die Wurzel des Übels anpacken möchte. Hier heißt es für die Eltern, echte Alternativen zu Playstation, Fernseher & Co. anzubieten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Probe-Training im ortsansässigen Fußballverein oder einem Schnupperkurs in Hip Hop Dance? Häufig genügt schon ein kleiner Anstoß, damit Ihr Kind ein ganz neues Hobby für sich entdeckt. So wird die Bewegung selbstverständlicher Bestandteil des Alltags und Teil der Diabetes Behandlung.

Weitere Hintergrundinformationen rund um Diabetes und Sport lesen Sie hier.

„Wir feiern die ganze Nacht!“– Alkohol, Drogen & Co.

Wenn Jugendliche auf Partys unterwegs sind, wird der Diabetes schnell vergessen. Und das ist auch gut so – schließlich braucht man auch eine Auszeit. Allerdings sollten Kids, die alleine unterwegs sind, immer Freunde (oder eine andere Begleitperson) darüber informieren, dass sie Diabetes haben und ihren Diabetes-Pass bei sich tragen.

Alkohol kann zu einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels führen, insbesondere, wenn der Alkohol unmittelbar nach dem Essen getrunken wird! Besonders kohlenhydratreiche Alkoholika wie Bier können den Blutzuckerspiegel zunächst deutlich erhöhen. Danach kommt es allerdings zu einem vergleichsweise starken Abfall des Blutzuckers, vor allem, wenn vor dem Alkoholkonsum Insulin gespritzt wurde. Insofern sollten insbesondere Jugendliche, die unter Diabetes leiden, an einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol herangeführt werden.

Hier einige Tipps, die speziell Jugendliche mit Diabetes in Zusammenhang mit Alkohol beachten sollten:

  • Während und nach dem Alkoholgenuss sollte man kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel essen (also zum Beispiel Salzstangen, Kekse oder auch belegte Brötchen), um so das Risiko für eine Unterzuckerung zu verringern.
  • Häufige Blutzuckermessungen während des Alkoholkonsums und am Tag danach sind wichtig. Der Ziel-Blutzuckerwert vor dem Zubettgehen sollte über 150 mg/dl liegen.

 

Grundsätzlich gilt: Alle Substanzen, die Herz und Kreislauf belasten bzw. die Blutgefäße verengen (z.B. Nikotin, Coffein, Speed, Kokain, Crystal, XTC) stellen für Diabetiker ein besonderes gesundheitliches Risiko dar! Mitunter besteht die Gefahr einer starken Unterzuckerung. Versuchen Sie, Ihrem Kind diese Gefahr bewusst zu machen.

Die Pille als Verhütungsmittel bei Diabetes?

Irgendwann – heute eher früher als später – ist der Zeitpunkt gekommen und die eigene Tochter äußert den Wunsch, sich die Pille verschreiben zu lassen. Doch so sicher dieses Verhütungsmittel auf der einen Seite auch ist – ist die Anti-Baby-Pille auch für Diabetikerinnen geeignet? Laut Experten können Frauen, die unter Diabetes leiden und die noch keine nachgewiesenen Gefäßschäden an großen und kleinen Blutgefäßen aufweisen, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt die Pille einnehmen. Sowohl kombinierte Präparate, die Gestagen und Östrogen enthalten als auch die Minipille (nur Gestagen) sind denkbar. Ideal ist eine Pille mit niedrig dosiertem Gestagen. Es sollte eine engmaschige Kontrolle durch den Arzt erfolgen, insbesondere der Blutdruck, der HbA1c-Wert sowie die Blutfette gilt es zu kontrollieren.

Wichtig ist, auf die speziellen Anwendungshinweise für Diabetiker in der Packungsbeilage sowie mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten zu achten. Sprechen Sie dazu auch ausführlich mit dem behandelnden Frauenarzt bzw. fordern Sie Ihre Tochter auf, sich umfassend zu informieren. Rauchen sollte für Diabetikerinnen, die die Pille einnehmen, tabu sein!

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Ungetrübter Genuss

Das Leben mit Diabetes ist nicht immer ganz einfach. Schließlich ist der Diabetes ein ständiger Begleiter. Was darf ich essen, was nicht? Die besten Ernährungstipps in der Galerie

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Quellen:

  • Andreae, Susanne / Berg, Melanie (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag.
  • Bopp, Annette (2007): Diabetes. Früh erkennen. Richtig behandeln. Besser leben. Stiftung Warentest.
  • Fritzsche, Doris (2008): Diabetes. Der Ernährungs-Kompass. GU Kompass. GU.
  • Grönemeyer, Prof. Dr. Dietrich (2008): Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit. Rowohlt.
  • Riedl, Dr. Matthias (2006): 300 Fragen zum Diabetes. Der große GU Kompass. GU.
  • Rubin, Alan L. (2006): Diabetes für Dummies. Besser mit Diabetes leben lernen. Wiley-VCH.
  • Schwörer, Dr. Claudia-Viktoria / Frank, Dr. Matthias (2005): Diabetes. Neustart in ein gesundes Leben.GU Ratgeber Gesundheit. GU.