ZUR ÜBERSICHT
Kapitel

Ernährung und Diabetes: Auch wenn es sich hier um ein komplexes Thema handelt – die Beratung durch einen Diabetologen oder einen Ökotrophologen kann eine erste Orientierung und laufende Unterstützung bieten. So haben Sie die Chance, nach und nach selbst zum Profi in Sachen Ernährung bei Diabetes zu werden!

Die beste Voraussetzung für einen möglichst ungetrübten Genuss und die gesunde Versorgung des Körpers mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen.

Allgemeine Hinweise: Ernährungsplan für Diabetiker

Spezielle Diätlebensmittel für Diabetiker sowie strikte Verbote müssen heute nicht mehr sein! Vielmehr geht es bei Diabetes um eine langfristige Umstellung auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung, die eigentlich für jeden Menschen wichtig ist. Was Diabetiker essen, kann also auch für Freunde und Familie ein echter Anreiz für ein Überdenken der eigenen Ernährungsgewohnheiten sein.

Doch wie sollte eine ausgewogene Ernährung bei Diabetes im Detail aussehen? Hier eine erste Orientierung wie der Ernährungsplan für Diabetiker gestaltet sein sollte:

  • Kohlenhydratreiche Kost
  • Viele Vitamine und Ballaststoffe (Gemüse, Obst etc. ): Regulierung der Verdauung, langsamer Blutzuckeranstieg & Verhinderung von Blutzuckerspitzen, wenig Kalorien
  • Wenig tierisches Fett (Achtung Kalorien!) bzw. Nutzung ungesättigter Fettsäuren wie in Olivenöl oder Sonnenblumenöl statt gesättigter Fettsäuren wie in Butter
  • Wenig tierisches Eiweiß (Achtung Kalorien!) & vermehrter Verzehr von pflanzlichen Eiweiß z.B. in Kartoffeln oder Hülsenfrüchten
  • Zucker nur in kleinen Mengen (z.B. 2 Kekse statt die ganze Kekspackung!)
  • Alkohol nur in Maßen (Vorsicht vor Kalorien und Unterzuckerung)
  • Wasser und ungesüßte Kräutertees als ideale Durstlöscher, die keinen relevanten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben (im Gegensatz zu Milch oder Fruchtsäften)

 

Weitere praktische Ernährungstipps für Diabetiker

Die Rolle der Kohlenhydrate für Diabetiker

Ganz zentral im Rahmen der ausgewogenen Ernährung bei Diabetes ist die Umstellung auf eine kohlenhydratreiche Kost! Denn Kohlenhydrate sind für den Menschen die wichtigsten Energielieferanten und sollten auch trotz der möglichen Angst vor einer Blutzuckererhöhung nicht vermieden werden. Mit dem richtigen Ernährungs-Know-How ist diese Angst nämlich unbegründet. Tatsächlich können viele Menschen dank einer kohlenhydratreichen Kost sogar bessere Blutzuckerwerte erreichen. Experten zufolge sollte unsere Nahrung etwa zu einem Anteil von 45 bis 60 Prozent aus Kohlenhydraten bestehen. Diese Lebensmittel sind reich an Kohlenhydraten:

  • Nudeln
  • Reis
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte
  • Brot
  • Obst
  • Gemüse

 

Doch Achtung! Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate. Hier gibt es Unterschiede. So unterteilt man Kohlenhydrate in:

  • Einfachzucker (Traubenzucker/Fruchtzucker)
  • Zweifachzucker (Haushaltszucker, Süßwaren, Kuchen, Joghurt etc.)
  • Vielfachzucker (Stärke: also Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis etc.)

 

Wie schnell der Blutzucker nach dem Verzehr von Kohlenhydraten ansteigt, ist abhängig davon, ob es sich um Einfach-, Zweifach- oder Vielfachzucker handelt. Beim Einfachzucker schießt der Blutzuckerspiegel schnell nach oben (wichtig zum Beispiel bei Anzeichen von Unterzuckerung). Stärke hingegen führt langsamer zu einem Blutdruckanstieg und sorgt für ein schnelleres und länger andauerndes Sättigungsgefühl.

Broteinheiten bzw. Berechnungseinheiten (BE) und Kohlenhydrateinheiten (KE) als wichtige Schätzhilfe für Diabetiker

Die Maßeinheiten BE (Broteinheiten/ Berechnungseinheiten) sowie KE (Kohlenhydrateinheiten) spielen für Diabetiker eine wichtige Rolle. Denn sowohl BE als auch KE sind eine gute Schätzhilfe, um die Menge der Kohlenhydrate zu bestimmen, die man mit bestimmten Nahrungsmitteln aufnimmt. Sie dienen also sozusagen als Wegweiser und ermöglichen damit auch eine ggf. notwendige Anpassung der Insulindosis. Ganz allgemein kann man sagen, dass 1BE/1KE eine Nahrungsmittelmenge bezeichnet, die 10-12 Kohlenhydrate liefert. Zur besseren Unterscheidung von BE und KE:

1KE = 10g verfügbare Kohlenhydrate

1BE = 12g verfügbare Kohlenhydrate

Für Diabetiker ist es in den meisten Fällen (Ausnahme: Behandlung mit Glibenclamid) unverzichtbar, dass sie die BE/KE-Werte und damit auch die Kohlenhydratmenge bestimmter Lebensmittel kennen und sich daran bei der Ernährung orientieren können. Zu diesen Lebensmitteln zählen:

  • Getreideprodukte
  • Obst
  • Kartoffeln bzw. Kartoffelprodukte
  • Nudeln
  • Reis
  • Fertigprodukte, die Kohlenhydrate enthalten
  • Konfitüre
  • Honig
  • Fruchtsäfte
  • Milch und Milchprodukte

 

Welche Menge von welchem Lebensmittel wie viel liefert – das kann man nicht auswendig lernen, auch wenn man mit der Zeit sicherlich ein Gespür dafür bekommt. Hilfreich für den Einstieg in die Welt der Ernährung bei Diabetes und damit der BE/KH sind eine Lebensmittelwaage sowie eine Kohlenhydrat-Austauschtabelle aus dem Buchhandel. So kann man sich nach und nach an das Wissen rund um Portionsgrößen und die jeweils gelieferte Menge von Kohlenhydraten herantasten.

Diätprodukte für Diabetiker und Süßstoffe

Von speziellen Diätprodukten für Diabetiker raten Experten heute eher ab. Denn diese enthalten Zuckeraustauschstoffe wie zum Beispiel Fruchtzucker, Sorbit oder Isomalt. Dadurch können diese Produkte für Diabetiker, die noch dazu teurer als herkömmliche Produkte sind, Blähungen und Durchfall verursachen. Auch der Kaloriengehalt liegt nicht unter dem üblicher Produkte – der Fettgehalt ist sogar höher!

Anders verhält es sich mit speziellen Süßstoffen, die kalorien- und kohlehydratfrei sind. Diese sind zum Süßen von Speisen und Getränken laut Experten in gewisser Menge geeignet. Sprechen Sie dazu auch mit Ihrem Diabetologen.

Wenn die Kilos runter müssen – Abbau von Übergewicht

Vor allem die Entstehung von Typ-2-Diabetes wird heute mit Übergewicht und Bewegungsmangel in Verbindung gebracht. Insofern stellt der Abbau von Übergewicht einen wichtigen Pfeiler im Rahmen der Diabetes Behandlung dar.

Der Body Mass Index (BMI) dient zur besseren Einschätzung des eigenen Körpergewichts.
Der BMI wird folgendermaßen berechnet:

BMI = Gewicht in kg / (Körpergröße in m)²

 

Liegt der BMI über 24 (bei Frauen) bzw. 25 (bei Männern), spricht man von Übergewicht.

Im Einzelfall wird der Arzt entscheiden, ob der Abbau von Übergewicht im Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung wichtig ist. Dann ist es sinnvoll, die individuell benötigte Kalorienmenge zu errechnen und einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen. Hier hilft die Anleitung durch einen Ernährungsberater. Der Patient muss im Zusammenhang mit der Gewichtsabnahme auch über eine möglicherweise notwendige Anpassung der Insulindosis informiert werden.

Im Allgemeinen gilt: Keine Gewichtsabnahme ohne Bewegung! Regelmäßige Bewegung im Alltag sowie Sport an 3-4 Tagen pro Wochen sind ideal. Da körperliche Aktivität Einfluss auf den Blutzuckerspiegel sowie die Insulinempfindlichkeit der Zellen hat, ist es wichtig, dass sich Diabetiker umfassend über das Thema Diabetes und Sport informieren.

Hier lesen Sie Wissenswertes rund um das Thema Sport und Diabetes.

Ungetrübter Genuss

Das Leben mit Diabetes ist nicht immer ganz einfach. Schließlich ist der Diabetes ein ständiger Begleiter. Was darf ich essen, was nicht? Die besten Ernährungstipps in der Galerie

••• mehr

Quellen:

  • Andreae, Susanne / Berg, Melanie (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag.
  • Bopp, Annette (2007): Diabetes. Früh erkennen. Richtig behandeln. Besser leben. Stiftung Warentest.
  • Fritzsche, Doris (2008): Diabetes. Der Ernährungs-Kompass. GU Kompass. GU.
  • Grönemeyer, Prof. Dr. Dietrich (2008): Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit. Rowohlt.
  • Riedl, Dr. Matthias (2006): 300 Fragen zum Diabetes. Der große GU Kompass. GU.
  • Rubin, Alan L. (2006): Diabetes für Dummies. Besser mit Diabetes leben lernen. Wiley-VCH.
  • Schwörer, Dr. Claudia-Viktoria / Frank, Dr. Matthias (2005): Diabetes. Neustart in ein gesundes Leben.GU Ratgeber Gesundheit. GU.