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Symptome von ADHS

Kinder und Jugendliche mit ADHS leiden unter Hyperaktivität, Impulsivität und/oder Unaufmerksamkeit. Die Symptome sind dabei stark ausgeprägt und der Betroffene in Beziehungen, der Leistungsfähigkeit, gemeinschaftlichen Aktivitäten oder der Teilhabe (Einbezogensein in Gemeinschaften) eingeschränkt. Bei den meisten Kindern mit ADHS zeigen sich die Symptome, wenn sie in den Kindergarten oder in die Grundschule kommen. Betroffene Kinder geraten dann schnell in eine Außenseiterrolle und zeigen sich aggressiv, können sich nur schwer konzentrieren und stillsitzen. Sie werden von anderen als anstrengend wahrgenommen.

Zusätzlich können andere Störungen wie Tics, Angststörungen, depressive Störungen, Autismus-Spektrum-Störungen und ab dem Jugendalter Drogenkonsum und Persönlichkeitsstörungen auftreten. Obwohl ADHS meist als Erkrankung von Kindern angesehen wird und immer in der Kindheit beginnt, bleibt sie bei etwa 50 Prozent der Fälle bis ins Erwachsenenalter bestehen. Auch wenn die Diagnose erst im Erwachsenenalter erfolgt, sollten bereits Symptome vor dem Alter von zwölf Jahren vorhanden gewesen sein. Bei Erwachsenen sind typische ADHS-Symptome:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwierigkeiten Aufgaben zu erledigen
  • Stimmungsschwankungen
  • Ungeduld
  • Schwierigkeiten beim Halten von Beziehungen

Warnzeichen für ADHS – wann zum Arzt?

Wird ADHS frühzeitig erkannt, kann daraus folgenden Problemen entgegengewirkt werden. Auffällige Verhaltensweisen, die von den Eltern wahrgenommen werden, sind besonders dann ernst zu nehmen, wenn die Veränderungen plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftreten. Eltern, die den Verdacht haben, dass ihr Kind unter ADHS leiden könnte, sollten sich folgende Fragen stellen:

  • Seit wann bestehen die Probleme? Wenn sie über Wochen bestehen, kann dies ein Hinweis auf ein ernstes Problem sein.
  • Gab es dieses Problem früher schon einmal? Manche Verhaltensweisen sind tatsächlich nur eine Phase. Wenn sich diese jedoch wiederholen oder begründeten Anlass zur Sorge geben, sollte ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie aufgesucht werden.
  • Besteht ein Leidensdruck beim Kind oder den Eltern? Kommt es infolge der Probleme zu Beeinträchtigungen im Alltag, ist das ein Grund, sich Hilfe zu suchen.
  • Sind Auslöser für auffällige Verhaltensweisen erkennbar und gibt es Möglichkeiten, diese zu vermeiden?
  • Raten andere Menschen (Erzieher, Lehrer, Umfeld) zu professioneller Hilfe? Manchmal ist der Blick von außen hilfreich, um Auffälligkeiten überhaupt erst wahrzunehmen.
  • Kann das Kind die Probleme alleine lösen?

 

Häufig wird aus Scham zu lange damit gewartet, sich Hilfe zu suchen, gerade wenn es auch zu belastenden Ereignissen im Umfeld des Kindes kommt. Deshalb sollte sich lieber frühzeitig an den Kinder- und Jugendarzt gewendet werden, um zu besprechen, ob eine Überweisung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sinnvoll ist.

Ursachen von ADHS

ADHS ist ein Krankheitsbild, das nicht neu ist, aber früher nicht als Krankheit anerkannt wurde. So gab es beispielsweise die Figur des "Zappelphilipp" im Kinderbuch "Der Struwwelpeter". Doch in den vergangenen Jahrzehnten stiegen die offiziellen ADHS-Zahlen, was daran liegt, dass es als Krankheitsbild anerkannt wurde und nun auch häufiger diagnostiziert wird. Experten zufolge leiden hierzulande gut sechs Prozent der drei- bis siebzehnjährigen Kinder und Jugendliche unter ADHS. Die Ursache für ADHS ist unbekannt.

Es gibt aber eine Reihe von mutmaßlichen Risikofaktoren. So wird angenommen, dass es durch genetische Faktoren und Probleme in der Schwangerschaft oder bei der Geburt zu neuronalen Veränderungen kommen kann, die zu ADHS führen können. Auch eine genetische Vorbelastung wird angenommen. Außerdem scheint der Konsum von Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen in der Schwangerschaft ADHS zu begünstigen. Liegt ADHS oder die Anlage dafür vor, gibt es eine Reihe von psychosozialen Faktoren, die die Erkrankung verschlimmern können, wie beispielsweise ein alleinerziehender Elternteil, familiäre Instabilität mit viel Streit zwischen den Eltern oder häufige Kritik und Betrafung des Kindes.

ADHS: Diagnose durch Tests bei Experten

Nicht jedes Kind, was zappelig und unruhig ist, hat gleich ADHS. Charaktere sind unterschiedlich. Die Diagnose ADHS bei Kindern sollte ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, ein Psychologischer Psychotherapeut mit Zusatzqualifikation für Kinder und Jugendliche oder ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Erfahrung und Fachwissen in der Diagnostik von ADHS durchführen. Es gibt verschiedene Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit die Diagnose ADHS gestellt wird. Es muss diagnostisch eine klare Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen erfolgen und die Diagnose darf keinesfalls vorschnell gestellt werden. Auch organische Erkrankungen müssen unter Umständen abgeklärt werden. So kann beispielsweise ein eingeschränktes Hörvermögen auch irrtümlich zu einem „komischen“ Verhalten eines Kindes führen. ADHs wird in drei Schweregrade eingeteilt:

  • Leichtgradig: Es treten wenige oder keine Symptome zusätzlich zu den Symptomen auf, die zur Diagnosestellung erforderlich sind und die Symptome führen nur zu geringfügigen Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Bereichen.
  • Mittelgradig: Trotz einer nur geringen Symptomausprägung besteht eine deutliche funktionelle Beeinträchtigung oder trotz derzeit nur geringfügigen Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsbereichen übersteigt die Ausprägung der Symptomatik deutlich das zur Diagnosestellung erforderliche Ausmaß.
  • Schwergradig: Die Anzahl der Symptome übersteigt deutlich die zur Diagnosestellung erforderliche Anzahl oder mehrere Symptome sind besonders stark ausgeprägt und die Symptome beeinträchtigen die soziale, schulische oder berufliche Funktionsfähigkeit in erheblichem Ausmaß.

Therapie bei ADHS

Bei ADHS stehen zwei Therapieoptionen zur Verfügung:

  • Verhaltenstherapie und Psychoedukation
  • Medikamente

 

Bei der Auswahl der Therapie sollten die betroffenen Kinder und ihre Eltern immer einbezogen werden. Es ist wichtig, dass die Therapie von allen Betroffenen mitgetragen wird. Bei Kindern bis zum Alter von sechs Jahren sollte in erster Linie eine Psychoedukation und eventuell eine psychotherapeutische Behandlung erfolgen. In der Verhaltenstherapie können Werkzeuge erlernt werden, mit den individuellen Problemen besser umzugehen. Kinder unter drei Jahren sollten keinesfalls Medikamente gegen ADHS bekommen. Nur bei schwerer ADHS sollten Medikamente verabreicht werden und auch dann idealerweise zusammen mit der Aufklärung und Beratung über die Erkrankungen und ihren möglichen Verlauf sowie einer psychotherapeutischen Behandlung. Im sozialen Umfeld des Kindes sollte eine Psychoedukation mit umfassender Aufklärung über ADHS und Beratung stattfinden. Dies kann in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule erfolgen. Es gibt spezielle Schulbegleiter oder Integrationshelfer, die einem Kind zur Seite stehen können.

Die Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter ist nur bei der schweren Form angebracht, was bei etwa 30 Prozent der Erwachsenen mit ADHS der Fall ist. Wichtig ist, dass der Betroffene in einer Verhaltenstherapie lernt, seine Probleme einzuordnen und damit umzugehen. Für Erwachsene kann der Austausch mit Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen oder Internetforen, hilfreich sein.

Verlauf und Prognose bei ADHS

Wenn Kinder und Jugendliche mit ADHS nicht oder nicht ausreichend behandelt werden, können sich die Probleme verstärken. Das betrifft vor allem soziale und emotionale Anpassungsprobleme. Mit zunehmendem Alter kann sich die mangelnde Akzeptanz der Mitmenschen und damit die Einsamkeit der Betroffenen ohne Behandlung verschlimmern. In der Folge kommt es dann bei Jugendlichen häufig zu Medikamenten- oder Substanzenmissbrauch. ADHS neigt mit zunehmendem Alter dazu, sich zu bessern und zurückzugehen. Das ist bei 40 bis 50 Prozent der Betroffenen der Fall. Einige Faktoren weisen allerdings auf einen schlechteren Krankheitsverlauf bei Jugendlichen und Erwachsenen hin. Diese sind:

  • niedrige Intelligenz
  • hohes Aggressionspotential
  • soziale und zwischenmenschliche Probleme
  • Psychopathologie der Eltern

 

Wird ADHS nicht ausreichend behandelt, kann es schwerwiegende Konsequenzen haben. Unter anderem können dann diese Folgen auftreten:

  • höheres Unfallrisiko
  • höhere Sterblichkeit
  • höheres Risiko für Depression
  • Persönlichkeitsstörung
  • Substanz-/Drogenmissbrauch
  • kriminelle Handlungen
  • schlechterer Schulabschluss
  • häufigerer Arbeitsplatzverlust

 

Autorin: Miriam Funk

Quellen: